Rape Day ist der letzte Titel in der Reihe von Videospielen, die sich komplett oder teilweise über ihren kontroversiellen Inhalt vermarkten. In diesem Machwerk gehts darum, dass der Videospieler als Serienvergewaltiger sich eine Zombi-Apokalypse zunutze macht, um quasi alles und jeden zu morden und zu vergewaltigen. "Bad taste" trifft das schon nichtmehr, der Entwickler hat sich niveau-mässig geradezu selbst im Klo runtergespült.
Prompt steigen die üblichen Verdächtigen auf die Barrikaden. Der Entwickler rechtfertigt sich mit "schwarzem Humor" und einem Vergleich mit GTAV - geradezu lächerlich, oder? Nunja, es ist es nur auf den ersten Blick offensichtlich, warum dieses Spiel jetzt speziell niederträchtig sein soll. Denn in GTAV wird der Spieler unter anderem aufgefordert, Menschen zu verletzen, zu foltern und umzubringen. Eine Mission des Spiels verlangt zu einer erfolgreichen Absolvierung der Mission einen Mann grausam zu foltern.
Argument 1 dreht sich darum, ob virtuelle Gewalt sich in reale Gewalt umsetzt und bisher war dazu die Antwort "Nein". Millionen Menschen spielen Spiele mit gewalttätigem Hintergrund. GTA wurde lang dafür skandalisiert, dass es aus Kindern Mörder machen würde. Reale Gewaltverbrechen sind jedoch, auch wenn die Medien gern anderes berichten, während der Zeit von Videospielen (also in den letzten 40 Jahre) zurückgegangen.
Somit bleibt als Argument 2 "der gute Geschmack" bzw gesellschaftliche Moral. Vergewaltigung, wie viele andere Tabus, war Thema in vielen Filmen. Und Videospiele haben als Medium schon viele grausame Ideen umgesetzt. Es gibt genug Spiele, die ich nichtmal mit der Kneifzange angreifen würde, dieses klarerweise inkludiert. Aber es wird kein echter Mensch verletzt und ich muss es nicht spielen. Es muss mir auch nicht gefallen, dass so ein Titel überhaupt existiert. Aber verbieten?
Angenommen wir zensieren Spiele, weil deren Inhalt "sich nicht gut anfühlt" und/oder wir sie grauslich und abstossend finden. Wessen Gefühle sind hier ausschlaggebend? Wäre es z. B. legitim, dass Flugsimulatoren verboten werden sollten, weil sie Traumas von Flugabsturz-Opfern hervorrufen? Schlachthöfe treiben Veganer in den Wahnsinn und Magermodels verführen Mädchen zur Bulimie. Die Liste ist endlos und komplex.
Wer tifft demnach die Entscheidung, was moralisch okay und was nicht ist? Speziell in einem Fall, wo es keine klaren Opfer gibt? Kein Mensch wird verletzt, denn am Bildschirm sind nur Polygone. Wer ernennen wir also zum offiziellen Tugendwächter über Medien? Und vor allem: Was sagt es über uns als Gesellschaft aus, dass es z. B. voll okay ist, in GTAV virtuell einem Mann Zähne auszureissen, die Beine zu brechen und seine Nippel unter Starkstrom zu setzen, aber eine Frau zu vergewaltigen die ultimative Grenze ist? Es ist eine zugegeben zynische Frage, aber eine, die sich die Verbotsschreier auf jeden Fall gefallen lassen müssen.
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