Das fragt uns der Bayrische Rundfunk. Denn so wird uns das in den Medien zumeist präsentiert: Armeen von Mädchen werden mit falschen Versprechen von Model- und Tänzerkarrieren in das Ausland verschleppt, um sich zu prostituieren. Und welche Frau würde ernsthaft für Geld Sex mit jedem Mann haben wollen, der da daherkommt? Ganz klar, Prostitution ist die älteste patriarchale Form sexueller Ausbeutung und Gewalt von und an Frauen!
Die Realität sieht natürlich anders aus. Oder vielleicht nicht "anders", nur vielschichtiger und breiter gefächert. Und natürlich lässt sich Prostitution und Menschenhandel trennen. Menschenhandel passiert dort, wo viel Geld zu verdienen ist. Prostitution ist einer dieser Zweige, wo das der Fall ist - Nachfrage und Angebot. Deutschland ist da gerade ein gutes Beispiel: Wenn in allen umliegenden Ländern Prostitution wegen der Illegalität gefährlich ist und die Löhne viel niedriger sind, dann boomt sie natürlich in Ländern, wo das erlaubt ist und die Wirtschaft boomt. Und wenn das legale Angebot nicht nachkommt, dann springen illegale Anbieter ein. Das funktioniert so bei gefälschten Marken-Taschen und -Schuhen, bei Fliessband-Arbeitern, China-Restaurant-Köchen und natürlich auch bei Prostitution. Aus der Sicht überrascht es auch nicht, dass sogar Amnesty International sich für eine Dekriminalisierung einsetzt.
Die Prostitution hat für solche Anbieter den fragwürdigen "Vorteil", dass das Gewerbe sozial geächtet ist. Das will keiner sehn, deshalb schaut auch keiner hin und die, die das Gewerbe ausführen, sind meist unerwünscht in der sauberen Öffentlichkeit. Die werden halt immer nur dann ins Licht gezerrt, wenn es um "die Unterdrückung der Frau" geht. Da überrascht es nicht, dass ein guter Teil der Sex-Worker äussert allergisch auf Feministinnen reagieren.
Speziell, wenn dann immer so hohle Phrasen wie "Sie verkauft ihren Körper" gedroschen werden. Genausogut könnte man behaupten, eine Masseusse oder eine Friseuse "verkauft ihre Hände". Eine Sex-Workerin bietet einen Service. Und, Überraschung, sie besitzt ihren Körper danach noch! Eine Frau kann Sex haben, mit wem sie will, aber wenn sie dafür Geld nimmt, wird sie vom bösen Patriachat unterdrückt? Hier kollidieren dann zwei Ansichten von Freiheit brutal miteinander.
Ich geh sogar weiter: Sex-WorkerInnen sind ein wichtiger sozialer Faktor in einer sozialen Gesellschaft. Eine deutsche Sex-Workerin, die voher als Therapeutin gearbeitet hat, hat gemeint, dass sie als Prostituierte mehr Männer weinen gesehn hat als als Therapeutin! Die Idee, dass Männer allein für den schnellen Sex zur Nutte gehn, ist ein feministisches Hirngespinst. In einem Reddit-AmA hab ich sogar gelesen, dass 9 von 10 Interaktionen mit Männern NICHT sexuell sind. Soviel zum Thema "Reduktion auf ein triebgesteuertes Tier"
Als in Ägypten Salafisten anfingen, Bordelle zu verbrennen, wurde ein Anstieg von Frauenfeindlichkeit registriert. Zufall? Oder vielleicht sind Männer, die Sex (oder vielleicht auch nur ein offenes, nicht-wertendes Gespräch mit einer Frau) hatten, einfach entspannter...?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen